Ionisiertes Wasser – wie gut ist es wirklich?
Ionisiertes Wasser ist derzeit in aller Munde, im übertragenen und im wortwörtlichen Sinn. Denn ihm werden zahlreiche positive Eigenschaften nachgesagt. Mit ionisiertem Wasser ist in der Regel alkalisches bzw. basisches Wasser gemeint. Ob der Hype gerechtfertigt ist, was davon stimmt, was Du besser nicht glauben und was Du beachten solltest, das erfährst Du in diesem Artikel.
Was ist ionisiertes Wasser?
Unter ionisiertem Wasser versteht man basisches Wasser, welches durch Elektrolyse hergestellt wird. Die Elektrolyse ist eine Behandlung, die dazu dienen soll, den pH-Wert des Wassers zu erhöhen. Wenn dieser größer als 7 ist, dann wird von alkalischem oder basischem Wasser gesprochen.
Was soll ionisiertes Wasser bewirken?
Ionisiertes Wasser soll laut Herstellern den Körper positiv beeinflussen und die Entstehung von Krankheiten verhindern. Hierzu gibt es aber wenig bis gar keine fundierten Forschungsergebnisse bzw. wissenschaftlichen Abhandlungen. Deshalb sind alle Aussagen, die den gesunden Effekt von ionisiertem Wasser hervorheben, zunächst einmal mit Vorsicht zu genießen. Wirkungen, die dem ionisierten Wasser zugeschrieben werden, sind unter anderem:
- Bekämpfen von Übersäuerung
- Unterdrücken und Verdrängung schädlicher Bakterien und Mikroben
- Reinigende Wirkung auf die Blutgefäße
- Erhöhung des Sauerstoffgehalts im Blut
- Transformation von Blutfetten in harmlose Fette
- Vorbeugung gegen Diabetes und Krebs
- Bekämpfung von Nierensteinen
- Schutz vor Osteoporose

Wasserionisierer: Wie funktioniert die Elektrolyse?
Elektrolyse bedeutet Aufspaltung durch Anlegen eines elektrischen Feldes. Das heißt, das Wasser befindet sich zwischen zwei Elektroden, der Anode und der Kathode. Positiv geladene Ionen wandern zu der Kathode, negativ geladene Ionen wandern zur Anode. Und an den beiden Elektroden finden dann Zersetzungsprozesse statt, die letztendlich den pH-Wert des Wassers erhöhen sollen. Aber lass uns Schritt für Schritt durch die Prinzipien und Einzelprozesse durchgehen.
Welche Ionen sind im Wasser?
In neutralem Wasser, also Reinstwasser wie Osmosewasser oder destilliertes Wasser, liegt ein Gleichgewicht zwischen positiv geladenen Hydroxonium-Ionen (H3O+) und negativen Hydroxid-Ionen (OH-) vor. Bei pH = 7 ist die Konzentration beider Ionensorten jeweils 10-7 mol/l. Das heißt, die Gesamtionenkonzentration liegt bei 2*10-7 mol/l. Das ist sehr wenig, deshalb ist reines Wasser fast gar nicht leitfähig, eigentlich ist es ein Isolator.
Wie wird Wasser leitfähig?
Je mehr Ionen, also elektrisch geladene Teilchen, im Wasser sind, desto leitfähiger wird es. Aber nicht nur die Ionen-Konzentration trägt zur Leitfähigkeit bei, sondern auch die Wertigkeit der Ionen und ihre Beweglichkeit.
- Hydroxonium- und Hydroxid-Ionen sind einfach geladen, also einwertig. Gleiches gilt für Natrium-Ionen oder Chlorid-Ionen.
- Anionen wie Sulfat SO42- oder Erdalkali-Ionen wie Calcium und Magnesium sind zweifach geladen. Wenn sie sich bewegen, dann tragen sie stärker zur Leitfähigkeit bei, weil sie die doppelte Ladung transportieren.
- Je größer Ionen sind, desto schwerer kommen sie durch die sie umgebenden Wassermoleküle durch. Magnesium ist z.B. kleiner als Calcium, d.h. es ist flinker und trägt stärker zur Leitfähigkeit bei.
- Der Ladungstransport durch Hydroxonium- und Hydroxid-Ionen geht besonders schnell, weil diese Ionen sich nicht von einem Ende zum anderen durch das Wasser bewegen müssen. Ein Hydroxid-Ion nimmt beispielsweise einem Nachbar-Wassermolekül ein Proton (H+) ab, wird selbst zum Wassermolekül, während das Nachbarmolekül zum Hydroxid-Ion wird. Dieses Protonen-Hopping geht viel, viel schneller als die physikalische Wanderung anderer Ionen.
Beispiel: Wasser mit einem pH = 8 hat eine Hydroxid-Konzentration von 10-6 mol/l, das ist 100mal so viel wie die Hydroxonium-Konzentration von 10-8 mol/l. Da es gleich viel positive und negative Ladungen in dem Wasser geben muss, muss dies durch andere Inhaltsstoffe ausgeglichen werden, z.B. durch etwa 10-6 mol/l Kalium-Ionen (K+).
Wasserelektrolyse im industriellen Maßstab
In der Technik wird Wasser elektrolysiert, um die Gase Wasserstoff und Sauerstoff zu erzeugen. Dabei wird kein reines Wasser verwendet, sondern welches, das mit Säure, Lauge oder Salzen versetzt wurde, um eine gute Leitfähigkeit zu gewährleisten.
In saurer Lösung passiert dabei folgendes (e- sind Elektronen, die von der Kathode abgegeben und der Anode aufgenommen werden):
Kathode: 4 H3O+ + 4 e- –> 2 H2 + 4 H2O
Anode: 6 H2O –> O2 + 4 H3O+ + 4 e-
Gesamt: 4 H3O+ + 4 e- + 6 H2O –> 2 H2 + O2 + 4 H3O+ + 4 e-
Was fällt auf? In der Brutto-Gleichung stehen auf der linken und rechten Seite gleich viel Ionen, es werden also keine zusätzlichen Ionen erzeugt. Der Punkt ist, dass die Ionen lediglich ihren Standort verändert haben. Sie verschwinden an der Kathode und werden an der Anode neu erzeugt. Wenn die Elektrolyse in basischer oder in neutraler Salzlösung stattfindet, laufen vergleichbare Reaktionen ab. Die Ionen-Gesamtbilanz bleibt ausgeglichen. Aber wie kann es dann sein, dass es zu einer Anreicherung von OH–Ionen kommt, die es doch zu einer Steigerung des pH-Werts braucht?
Elektrolyse mit dem Wasserionisierer: Das sagen die Hersteller
Bei der Elektrolyse werden Anoden- und Kathodenkammer mittels einer Membran voneinander getrennt. An der Kathode entstehen Hydroxid-Ionen, an der Anode Hydroxonium-Ionen. Die Membran soll verhindern, dass sich die beiden Flüssigkeitsbereiche vermischen. So können sich die beiden Ionensorten nicht zu Wasser neutralisieren. Wenn man nun den sauren Anteil der Flüssigkeit, der sich um die Anode herum bildet, abführt, so bleibt eine basische Flüssigkeit zurück. Das ist zumindest die Theorie zur Herstellung von ionisiertem Wasser.
Was ist davon zu halten?
Wasserionisierer sind teuer, sie können mehrere Hundert Euro kosten. Und ionisiertes Wasser im Laden zu kaufen, ist auch nicht unbedingt günstig. Es ist deutlich einfacher, ein bisschen Natron in Leitungswasser oder Osmosewasser zu geben, umzurühren, und dann hast Du denselben Effekt, nämlich basisches Wasser.
Bringt ionisiertes Wasser gesundheitliche Vorteile?
Ionisiertes Wasser ist kein Wundermittel. Im Prinzip ist es nichts anderes als basisches Wasser, welches auf eine spezielle Art und Weise hergestellt wird. Aber die geringen positiven gesundheitlichen Auswirkungen werden von den negativen Wirkungen – wenn Du zu viel davon trinkst – mehr oder weniger kompensiert. Mehr Details dazu findest Du im Artikel über basisches Wasser.
Eine Besonderheit gibt es jedoch: Ionisiertes Wasser enthält gelösten molekularen Wasserstoff. Dieser wirkt direkt auf zellulärer Ebene und hat Einfluss auf die Gene und Mitochondrien, fungiert als Signalstoff und vieles mehr. Er wirkt bei oxidativem Stress, woraus sich auch förderliche Wirkungen gegen Krebs, Diabetes, Entzündungen und einige andere Erkrankungen ableiten lassen. Die Studien sind jedoch allesamt recht neu und basieren noch auf einer recht dünnen Datenlage. Die überschaubare Wirksamkeit, die ionisiertes Wasser zeigt, ist also nicht auf den basischen Charakter zurückzuführen, sondern auf den Wasserstoffgehalt, und auch – wie bei basischem Wasser allgemein – auf den Mineralstoffgehalt.
Mythen über ionisiertes Wasser
Ein paar Dinge, die über ionisiertes Wasser verbreitet werden, stimmen einfach nicht. Sie gehören physikalisch und chemisch in das Reich der Unmöglichkeit. Wenn Du Aussagen wie die folgenden hörst, dann solltest Du vorsichtig sein.
- Die Elektrolyse strukturiert das Wasser neu, so dass es besser in die Zellen eindringen kann. Diese Aussage ist falsch. Überstrukturen existieren nicht und Wasser dringt in Form einzelner Moleküle über sogenannte Aquaporine in die Zellen ein. Dafür braucht es keine „Struktur“.
- Ionisiertes Wasser enthält freie Elektronen, die freie Radikale neutralisieren können. Auch das ist Humbug. „Freie“ Elektronen gibt es, wenn, dann nur in metallischen Leitern, aber nicht im Wasser.
- Atomarer Wasserstoff aus dem ionisierten Wasser kann leichter in die Zellen eindringen. Das ist ebenso falsch. Wenn, dann gibt es lediglich molekularen Wasserstoff.
- Ionisiertes Wasser ist elektrisch geladen und verbessert die Oberflächenspannung von Zellen. Auch Quatsch. Ionisiertes Wasser enthält geladene Ionen. Aber jedes Ion braucht ein Gegen-Ion. Ionisiertes Wasser, welches Du trinkst, ist elektrisch neutral.
Ionisiertes Wasser ist ein Trend, den man besser nicht beachtet
Basisches Wasser, ionisiertes Wasser, alkalisches Wasser – alles schöne Wörter, aber mehr auch nicht. Solltest Du Bedenken bezüglich der Trinkwasserqualität haben und befürchten, dieses könnte Deinen Körper negativ beeinflussen, dann bau Dir lieber einen Aktivkohlefilter in Deinen Wasserhahn ein. Diese sind billiger als so mancher Wasserionisierer. Und solltest Du Dich fragen, ob Dein Körper übersäuert ist, sprich mit Deinem Arzt und lass Dich testen. Besser als jeder Schluck ionisiertes Wasser ist eine ausgewogene Ernährung.