Ist das Trinken von Leitungswasser gesund?
Gehörst Du auch zu den 83 % der Deutschen, die regelmäßig Leitungswasser trinken, weil es gesund ist? Oder trinkst Du Leitungswasser, weil es so günstig ist? Es gibt viele Mythen um die Qualität des Wassers, von denen wir einige in diesem Beitrag auf den Prüfstand stellen wollen.
Wo kommt das Leitungswasser her?
Trinkwasser wird laut Umweltbundesamt etwa zu zwei Dritteln aus natürlich vorkommendem Grund- und Quellwasser gewonnen. Das restliche Drittel teilt sich etwa hälftig auf See-, Talsperren- oder Flusswasser sowie ein Mittelding auf, welches ursprünglich Oberflächenwasser war, aber durch eine Bodenpassage oder Uferfiltration mit dem Grundwasser vergleichbar ist.
Warum braucht der Mensch sauberes Wasser?
Je nach Alter besteht der menschliche Körper aus 50 bis 75 % Wasser. Der Mensch atmet, schwitzt und muss auch mal ein Geschäft verrichten, er scheidet also permanent Wasser aus, welches ersetzt werden muss. Die Empfehlungen für eine erwachsene Person liegen zwischen 2 und 2,5 Litern, die man pro Tag trinken sollte. Das Trinken von Wasser ist aber nicht alles, auch zum Kochen, Spülen, zur Körperhygiene oder zum Wäschewaschen braucht der Mensch sauberes Wasser, im Durchschnitt etwa 120 Liter am Tag.
Leitungswasser trinken: gesund, oder nicht?
Fangen wir mal so an: Leitungswasser zu trinken ist gesund, weil Wasser das Lebenselixier des Menschen ist. Ohne Wasser kann der Mensch nicht überleben. Also ist Wasser essentiell und damit sollte das Trinken von Leitungswasser gesund sein. Die legitime Frage ist jedoch, ob in Leitungswasser irgendwelche Schadstoffe enthalten sind und es vielleicht bessere Alternativen als Leitungswasser gibt. Das schauen wir uns genauer an.

Die Trinkwasserverordnung
Die deutsche Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte für diverse Inhaltsstoffe fest und regelt auch, wie diese Grenzwerte überprüft werden sollen. Grundwasser muss in Klärwerken aufbereitet werden, damit es diese Grenzwerte einhält. Die Grenzwerte gelten auch, wenn Du beispielsweise Dein Trinkwasser aus einem Hausbrunnen beziehst.
Gesunde Inhaltsstoffe im Leitungswasser
Im Leitungswasser befinden sich eine ganze Menge Inhaltsstoffe, die der menschliche Organismus gut gebrauchen kann: Natrium, Kalium, Sulfat, Magnesium, Calcium, Spurenelemente wie Eisen oder Zink. Diese Mineralien sind gesund, allerdings darf Leitungswasser als Mineralienlieferant nicht überschätzt werden. Die meisten Mineralstoffe nimmst Du nämlich immer noch über feste Nahrungsmittel auf. Außerdem gibt es technische Gründe, beispielsweise den Natriumgehalt zu begrenzen. Natriumchlorid in zu hohen Mengen kann zu Korrosionen an Leitungen führen. Magnesium und Calcium erhöhen die Wasserhärte, was zu Kesselstein oder Kalkablagerungen führen kann. Mineralien im Leitungswasser sind nicht mehr als ein gesunder Nebeneffekt, wenn Du es trinkst.
Schädliche Inhaltsstoffe im Leitungswasser
Theoretisch könnten wir hier eine ganze Menge Stoffe aufzählen, die im Leitungswasser enthalten sein können und auf die getestet wird. Es passiert aber sehr selten, dass die Grenzwerte mal überschritten werden. Häufig liegt der Fehler auch nicht in der Trinkwasseraufbereitung, sondern versteckt in den Mauern Deiner Wohnung oder Deines Hauses: veraltete und verrostete Wasserleitungen. Schauen wir uns einige der potenziellen Schadstoffe mal genauer an.
Schwermetalle
Hier sind besonders Blei und Kupfer zu nennen. Sind noch alte Bleirohre verbaut, gelangt beispielsweise Blei in Dein Wasser. Das Verbauen von Bleirohren ist seit 1973 allerdings nicht mehr erlaubt. Auch ein erhöhter Kupferanteil kann nur durch verbaute Kupferrohre entstehen.
Keime
Koliforme Bakterien, Legionellen oder andere Keime haben viele Möglichkeiten, in das Leitungswassersystem einzudringen. Häufig bekommen sie die Möglichkeit zur Vermehrung, wenn das Wasser längere Zeit in den Leitungen steht. Deshalb solltest Du besonders nach längeren Standzeiten nicht das erste Wasser aus der Leitung trinken, sondern es erst etwas fließen lassen. Wichtig ist, warmes/ heißes Wasser laufen zu lassen und kein kaltes. Bei einem großflächigen Legionellenbefall erlassen die Kommunen meist eine Abkochverordnung und führen Desinfektionsmaßnahmen durch, bis das Leitungswasser wieder freigegeben wird.
Medikamente, Hormone, Pestizide
Das Thema wird beim Abwasser immer relevanter, weil Medikamentenrückstände über menschliche Ausscheidungen ins Abwasser gelangen. Dazu gehören Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Antibiotika und Betablocker nachgewiesen. Aber auch durch die Gülle behandelter Nutztiere können sie in das Grundwasser und damit in den Wasserkreislauf gespült werden. Daher steigt auch beim Trinkwasser das Bewusstsein dafür. Da es immer wieder neue Medikamente und Abbauprodukte gibt, ist es ein Problem, dass längst nicht für alle möglichen Stoffe ein Grenzwert definiert ist. Immer mehr Menschen reagieren daher besorgt darauf und fragen sich, ob sie das Leitungswasser noch bedenkenlos trinken können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Medikamentenrückstände und Hormonbelastung im Trinkwasser, aber für den Menschen als unbedenklich ein, weil die nachgewiesenen Mengen bisher vernachlässigbar.
Das Problem organischer Substanzen kann aber auch bei Mineralwasser in Plastikflaschen auftreten, die Polyethylenterephthalat (PET) enthalten – mit bedenklichen Weichmachern und hormonähnlichen Stoffen. Diese gehen in das Wasser über.
Nitrat und Nitrit
Nitrat kommt durch Düngemittel ins Grundwasser. Der Grenzwert wird streng kontrolliert, weil Nitrat und sein Nebenprodukt Nitrit besonders für Säuglinge gefährlich sind. Unter Umständen sogar tödlich. Am Nitrat-Grenzwert wird häufig Kritik geäußert, weil er von einigen als zu hoch angesehen wird. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält sie allerdings für unbedenklich. Nahrung für Säuglinge in den ersten sechs Monaten sollte jedoch mit extra sauberem Wasser wie Osmosewasser oder Babywasser zubereitet werden.
Kalk
Kalk ist wie schon erwähnt für die Wasserhärte verantwortlich. Kalk ist aber für die menschliche Gesundheit absolut unschädlich, fördert eher die Knochenbildung. Kalk kann nur für einige Haushaltsgeräte zum Problem werden.

Quelle: statista.com
Leitungswasser trinken: Gesund für die Umwelt und Deinen Geldbeutel
Die Umwelt freut sich, wenn Du Leitungswasser trinkst, denn für sie ist es gesund. Leitungswasser muss nicht wie Mineralwasser in Flaschen und Kisten abgefüllt werden und Hunderte von Kilometern bis zum Supermarkt transportiert werden. Außerdem ist es die wirtschaftlichste Alternative im Vergleich zu allen anderen Wassern. Und wenn Dir stilles Wasser zu fade ist, kannst Du es immer noch mit einem Sprudler aufpeppen oder Vitaminwasser daraus machen.
Vorteile und Nachteile von Leitungswasser
Leitungswasser ist
- ein preisgünstiger Durstlöscher
- physiologisch notwendig
- sauber nach Trinkwasserverordnung
- kalorienarm
- preisgünstig
- ökologisch sinnvoll
- direkt aus dem Wasserhahn verfügbar (kein Kistenschleppen)
Leitungswasser ist aber auch
- nicht übermäßig reich an Mineralstoffen
- anfällig für Verkeimungen
- unter bestimmten Bedingungen (z.B. Bleirohre) anfällig für andere Belastungen
- nicht die beste Variante für Säuglinge unter 6 Monaten
- still, enthält keine prickelnde Kohlensäure
Sollte Leitungswasser aufbereitet werden?
Filteranlagen und andere Systeme zur Wasseraufbereitung sind grundsätzlich in Deutschland nicht nötig. Aber es gibt Fälle, in denen Filteranlagen wie Osmoseanlagen sinnvoll sind. Aus technischen Gründen kann auch eine Wasserenthärtung anzuraten sein, die über Osmoseanlagen oder Ionentauscher erreicht werden kann.
Leitungswasser kannst Du bedenkenlos trinken
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Leitungswasser aus deutschen Leitungen gesund ist und getrunken werden kann. Filter- und Aufbereitungssysteme machen eher aus technischen als aus gesundheitlichen Gründen Sinn.
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