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Destilliertes Wasser – Was ist es und für was wird es verwendet?

Zu destilliertem Wasser gibt es viele Informationen und Falschinformationen. Worum es sich dabei wirklich handelt und welche Mythen wahr sind, erfährst Du hier.

 

Was ist überhaupt destilliertes Wasser?

Destilliertes Wasser ist Reinstwasser, welches durch sogenannte Destillation gewonnen wird. Unter Destillation versteht man die Reinigung einer Flüssigkeit durch Verdampfen und anschließende Kondensation. Verunreinigungen wie Salze oder schwerer flüchtige organische Verbindungen verbleiben als Rückstände, während das sogenannte Destillat hochrein erhalten wird. Lediglich leichte flüchtige Verbindungen können sich darin wiederfinden. Als Bestätigung für die Reinheit wird meist ein Leitfähigkeitstest durchgeführt. Die Leitfähigkeit destillierten Wassers ist extrem niedrig. Elektrisch geladene Teilchen, sogenannte Ionen, sind nur in geringem Maß durch die Autoprotolyse des Wassers vorhanden, bei der Hydroxonium-Ionen (H3O+) und Hydroxid-Ionen (OH) entstehen:

2 H2O <=> H3O+ + OH

 

destilliertes Wasser

Einschränkungen bei der Destillation

Frisches destilliertes Wasser hat einen pH-Wert von 7. Der pH-Wert ist ein Maß für den Säuregehalt des Wassers. Er ist definiert als der negative dekadische Logarithmus der Hydroxonium-Ionen-Konzentration. D.h. bei pH = 7 ist diese Konzentration 10-7mol/l. Der pH-Wert sinkt recht schnell auf 4 bis 5 (d.h. die Hydroxonium-Ionen-Konzentration steigt), weil in der Luft enthaltenes CO2 (Kohlendioxid) mit dem Wasser zu Hydroxonium-Ionen und Hydrogencarbonat reagiert.

CO2 + 2H2O <=> H3O+ + HCO3

Wird extremst reines Wasser benötigt, so kann es zweifach (Aqua Bidest) oder dreifach (Aqua Tridest) destilliert werden. Da beim Kochen in Glasgefäßen geringe Mengen von Kieselsäure aus dem Glas herausgelöst werden können, die das Wasser wieder verunreinigen, wird ab dem zweiten Destillationsvorgang das destillierte Wasser nur noch in Quarzglas- oder Platinbehältern aufbewahrt und destilliert.

 

Eigenschaften und Preise von destilliertem Wasser

Chemisch ist destilliertes Wasser unbedenklich und nicht als Gefahrstoff deklariert. Es gibt keine H- und P-Sätze dazu. Wenn Normaldruck herrscht, gefriert destilliertes Wasser genau bei 0°C und siedet exakt bei 100°C Celsius. Verunreinigtes Wasser gefriert bei tieferen Temperaturen. Diesen Effekt macht man sich beim Salzstreuen im Winter zunutze. Der Siedepunkt von verunreinigtem Wasser liegt höher als 100°C und ist ebenfalls abhängig vom Grad der Verunreinigung. Wenn Dir jemand erzählt, destilliertes Wasser gefriere gar nicht, weil es keine Kristallisationskeime bildet, solltest du ihn bitten, Dir das zu demonstrieren. Es stimmt nämlich nicht. Der elektrische Leitfähigkeitswert sollte zwischen 0,5 und 5 µS/cm liegen. Im Handel erhältliches destilliertes Wasser wird typischerweise in 5 l- oder 10 l-Kanistern verkauft und kostet etwa 1 € bis 1,40 € pro Liter. Der Preis von Aqua Bidest liegt etwa bei dem Doppelten.

 

Haltbarkeit von destilliertem Wasser

Die üblichen Kanister für destilliertes Wasser bestehen aus Plastik, die idealerweise lichtdicht und luftdicht verschlossen sind. Sie sollten kühl gelagert werden. Plastik reagiert nicht mit destilliertem Wasser. Wenn du den Behälter jedoch öffnest und Luft an das destillierte Wasser kommt, dann beginnt die oben schon beschriebene Reaktion mit dem Kohlendioxid in der Luft. Deshalb steht auf vielen Behältern auch, dass vorhandene Reste nach dem ersten Gebrauch zu entsorgen sind. Das heißt aber nicht, dass das Wasser schlecht geworden ist oder verdorben wurde (im Sinne einer Keimbelastung oder gesundheitlichen Gefahren).

Es bedeutet zunächst nur, dass das Wasser nach dem ersten Öffnen die urprüngliche Reinheitsspezifikation schnell verliert. Destilliertes Wasser bietet zunächst keine Nährböden für Keime, aber ist der Kanister einmal geöffnet, haben Keime aus der Luft natürlich Zugang und können sich einnisten. Es kommt also auf den Zweck an, zu dem Du das destillierte Wasser nutzt. Wenn Du aus technischen Gründen eine extrem niedrige Leitfähigkeit oder Sterilität brauchst, dann ist es nicht mehr nutzbar. Zum Bügeln wird’s aber schon noch ein paar Tage reichen.

 

Andere Reinstwasser: VE-Wasser und Osmosewasser

Prinzipiell gibt es noch zwei weitere Methoden, reines Wasser herzustellen. Eine dritte Methode liefert die Natur. Diese Methoden sind:

Die Nutzung von Ionenaustauschersystemen führt dazu, dass die ionischen Salze aus dem Wasser entfernt werden. Das resultierende Produkt wird auch VE-Wasser (vollentsalztes Wasser) oder demineralisiertes Wasser genannt. Organische Substanzen, Viren oder Keime werden aber nicht aus dem Wasser entfernt, so dass es auch nicht destilliertes Wasser genannt werden darf. Bei der Umkehrosmose wird das Wasser mittels Druck und einer Filtermembran auf molekularer Ebene gefiltert. Das aus diesem Verfahren gewonnene Osmosewasser kann ähnliche Reinheitsgrade erzielen wie bei der Destillation. Es hat aber in der Tendenz höhere Leitfähigkeitswerte. Regenwasser hat im Prinzip denselben Verdampfungs-Kondensations-Prozess wie destilliertes Wasser durchlaufen, hat aber auf seinem Weg zur Erde schon wieder einige Stoffe aus der Atmosphäre aufgenommen. Es ist also längst nicht mehr so rein wie die aufbereiteten Wasser, hat aber einen extrem niedrigen Kalkgehalt.

 

Wo wird destilliertes Wasser verwendet?

Es gibt viele industrielle Anwendungen, die auf reines Wasser angewiesen sind. Je nach Anforderung wird auch häufig VE-Wasser verwendet. In Laboren, wo nasschemische Analyse betrieben wird, kommt hauptsächlich destilliertes Wasser zum Einsatz. Gleiches gilt für medizinische Anwendungen. So ist destilliertes Wasser steril und kann zur Herstellung von Infusionslösungen mit genau festgelegter Kochsalzkonzentration verwendet werden.

 

Wofür brauchst Du destilliertes Wasser?

Im häuslichen Umfeld sind die Anwendungen von destilliertem Wasser eher selten. Es gibt zwei wichtige Anwendungsgebiete:

  • Autobatterien: Viele Systeme basieren noch auf dem Blei-Säure-Prinzip. Das Elektrolyt in einer solchen Batterie besteht aus Schwefelsäure und destilliertem Wasser. Die elektrochemischen Reaktionen in der Batterie befinden sich in einem genau austarierten Gleichgewicht, bei dem Blei, Sulfat, Wasserstoff und Sauerstoff beteiligt sind. Eine Batterie verliert mit der Zeit etwas Wasser (Verdampfung). Wenn Du dieses nachfüllen möchtest, solltest Du destilliertes Wasser verwenden. Leitungswasser enthält andere Ionen, die das Gleichgewicht der Batterie stören und sie untauglich machen.
  • Bügeln: Leitungswasser enthält Kalk. Das schadet Deiner Kleidung zwar nicht, aber Dein Bügeleisen kann ein Problem damit haben. Speziell sehr hartes Wasser kann die Lebensdauer des Bügeleisens extrem senken. Daher ist destilliertes Wasser sehr empfehlenswert, wenn auch nicht zwingend notwendig.

 

Wofür brauchst Du destilliertes Wasser eher nicht?

  • Blumengießen: Prinzipiell ist destilliertes Wasser schlecht zum Gießen. Es enthält zwar keine Rückstände wie Chlor, Hormone oder auch Kalk. Aber wichtige Mineralien fehlen auch, so dass es zum Ausschwemmen des Pflanzensubstrats kommen kann und die Pflanze eingeht. Wenn mit destilliertem Wasser gegossen wird, sollte unbedingt Dünger hinzugegeben werden. Trinkwasser aus der Leitung ist im Prinzip gut zum Gießen. Wenn es allerdings zu hart ist, kann man es mit destilliertem Wasser verdünnen. Das beste Wasser zum Gießen ist ohnehin Regenwasser, welches sehr kalkarm ist.
  • Unkrautvernichtung: Es ist interessant, dass einige Leute unreflektiert auf destilliertes Wasser zum Gießen schwören und andere damit Unkraut vernichten wollen. Unkraut und Blumen sind beides Pflanzen. Warum soll es in einem Fall Wachstum fördern und im anderen Fall ausmerzen? Bei der Unkrautvernichtung liegt jedenfalls eine Verwechslung vor. Man macht das nicht mit destilliertem Wasser, sondern mit kochendem Wasser. Die Hitze ist hier das ausschlaggebende Element. Sie zerstört die Zellstruktur und sorgt dafür, dass die Pflanze verdorrt.
  • Scheibenwaschanlage oder Kühler: Die Lage ist ähnlich wie beim Bügeleisen. Der einzige Grund, destilliertes Wasser als Scheibenwischwasser oder Kühlwasser einzusetzen, ist der Kalkgehalt. Viele Autohersteller geben jedoch auch an, dass normales Leitungswasser ausreicht. Das ist umso verständlicher, weil Frostschutzmittel und Waschzusätze teilweise schon den Kalkschutz enthalten und die fertigen Wassermischungen weit davon entfernt sind, was destilliertes Wasser eigentlich ausmacht.
  • Aquarien: Das ist ein heikles Thema. Reines destilliertes Wasser ist genauso wie Osmosewasser Gift für die Fische. Je nach Art bevorzugen Fische bestimmte Härtegrade und Salzgehalte im Wasser. Süß- oder Salzwasser für Fische hat nichts mit der technischen Spezifikation von destilliertem Wasser zu tun. Wenn das Leitungswasser diesen Anforderungen nicht gerecht wird, kann eine Beimengung von Reinstwasser allerdings sinnvoll sein. Eine Anreicherung mit bestimmten Mineralien ist dabei stets auch zu prüfen. Regenwasser ist hier oft eine sehr gute Alternative.

 

Darf man destilliertes Wasser trinken?

Destilliertes Wasser ist ungiftig, aber trotzdem nicht zum Trinken gedacht. Menschen mit einer gesunden Konstituition können zwar größere Mengen an destilliertem Wasser trinken, es gibt jedoch ein Krankheitsbild, die sogenannte Wasservergiftung, die auftreten kann, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen. Wenn ein Mensch große Verluste an Salzen, Mineralien und Flüssigkeit zu verzeichnen hat, beispielsweise nach Erbrechen, Durchfall oder großer körperlicher Anstrengung, kann er dies durch die Aufnahme von elektrolythaltigen Getränken kompensieren. Macht er das allerdings mit salzarmem Wasser, wozu ganz besonders destilliertes Wasser zählt, führt dies zu Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit.

In Extremfällen kann es zu Organschäden und selten sogar zu Todesfällen kommen. Die Zellen nehmen das Wasser auf und platzen. Aber wie gesagt, normalerweise ist das Trinken von destilliertem Wasser unbedenklich. Schätzungen gehen davon aus, dass Du 17 Liter am Stück trinken müsstest, bevor es zu ernsteren gesundheitsschädlichen Folgen kommt. Du solltest allerdings bedenken, dass keine Spurenelemente oder andere wichtige Mineralien oder Salze im Wasser enthalten sind. Es ist ernährungstechnisch also nicht sinnvoll, destilliertes Wasser zu trinken.

 

Was spricht dennoch für den Verzehr von destilliertem Wasser?

Grundsätzlich hat das Trinkwasser in Deutschland eine hervorragende Qualität. Die Auflagen sind hoch und die Grenzwerte für schädliche Mineralien und andere Stoffe werden eingehalten. Die Keimbelastung ist gering, was allein dadurch deutlich wird, dass Zugaben von Chlor nicht notwendig sind. Die Messungen des Umweltbundesamts und von Stiftung Warentest zeigen sogar, dass das Trinkwasser besser abschneidet als die meisten Mineralwässer. Du solltest in diesem Zusammenhang allerdings beachten, dass nicht für alle Schadstoffe Grenzwerte festgelegt sind, z.B. für einige Hormone und Medikamentenrückstände. Und wo es keine Grenzwerte gibt, wird auch nicht flächendeckend getestet.

Destilliertes Wasser oder Osmosewasser ist zunächst einmal hochrein und unbelastet. Physiologisch macht es daher Sinn, seinem Körper sauberes Wasser zu gönnen. Allerdings müssen die fehlenden Mineralstoffe und Spurenelemente ergänzt werden oder anderweitig zugeführt werden. Du solltest auch berücksichtigen, dass bei der Herstellung von destilliertem Wasser viel Energie verbraucht wird und dass Osmoseanlagen für den Hausgebrauch mehrere Liter gutes Trinkwasser verbrauchen, bevor ein Liter Osmosewasser entsteht. Mit Blick auf den Klimawandel stellen sich hier ganz andere Fragen.

 

Trinkwasser, destilliertes Wasser oder Osmosewasser?

Die Reinstwasser sind unbelastet, aber Nähr- und Mineralstoffe fehlen. Wenn diese zugesetzt werden, ist destilliertes Wasser oder Osmosewasser sicherlich für Deinen Körper eine hervorragende Sache. Die Frage ist jedoch, ob der Aufwand den Nutzen wirklich wert ist, da zum einen das Trinkwasser auch eine gute Qualtität aufweist und zum anderen der ökologische Fußabdruck der aufwändigen Herstellung nicht der beste ist.


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